Freitag, Februar 17 2017

Golf wird spannender?

Neue Turnierformate sind im Moment ein Gesprächsthema in der Golfwelt und zumindest in Deutschland spaltet es auch die Meinungen. Es gibt nicht wenige, die halten das für den Untergang des Abendlandes und lehnen die Abkehr von 18 bzw 72 Loch Zählspiel ab, weil, ja warum nur? Hat man ja schon immer so gemacht....

Wobei immer stimmt ja auch nicht, 18 Loch Zählspiel gibt es in der Form ja auch noch nicht so lange. Wenn man es auf die gesamte Golfgeschichte runter bricht. Erst im 18. Jahrhundert hat sich diese Form etabliert.

Die European-Tour mit ihrem neuen Chef Keith Pelley, will einiges anders machen und vor allem auch für mehr Zuschauer sorgen. Das man das nicht mit einem jetzt etablierten Turniermodus erreicht, kann man sich ja vorstellen. Denn wenn 72 Loch Zählspiel so spannend wären, würden es ja mehr sehen. Selbst Golfer geben zu, sich fast keine Golfturniere anzusehen - außer? Ja genau, es gibt da ein Turnier was da heraus sticht. Der Ryder Cup, ein Turnier wo Golfer gegen Golfer antreten und man auch mal etwas wie einen direkten Schlagabtausch sehen und erleben kann.

Die Eureopean Tour kopiert jetzt den Ryder Cup nicht einfach sondern startet dieses Jahr mit "erst einmal" zwei neuen Formaten. Im Moment wird in Perth/Australien das World Super 6 ausgetragen (unter Twitter mit dem Hash Tag #WS6Perth zu finden). Hier gibt es eine Vorrunde und das Finale wird in einem 6 Loch Matchplay ausgetragen. Ein Fazit gibt es bisher noch nicht, da wir uns noch in der Vorrunde befinden. GolfPost.de hat dazu auch schon einen Beitrag geschrieben...

Das zweite neue Format, was Pelley auf den Weg bringt, ist GolfSixes. Dabei handelt es sich um ein Team Turnier. GolfPost schreibt dazu, das es sich um ein Champions-League-Format handelt. Ich habe von Fußball keine Ahnung aber für mich hören sich dei Pläne schon mal recht Spannend an. Dieses Format wird im Moment von der ET selbst getragen, da es dafür keine Sponsoren gibt. Auch hier sehe ich den Willen der ET, das etwas getan werden muss und wenn sich keiner findet, dann macht man es eben allein.

Ich drücke beiden Formaten die Daumen und warte mal die Ergebnisse ab. Ggf sehen wir ja im nächsten Jahr noch ein oder zwei Formate die leicht abgewandelt sind. Gut finde ich, das sich die Tour selber dahinter klemmt und diese Turniere ausrichtet und somit unterstützt. Denn es gab schon vorher Versuche, Golf spannder zu machen, die aber aufgrund von diversen Gründen wieder verschwunden sind. Ein Beispiel ist da PowerPlay Golf, welches spannende Ansätze hatte aber eben keine Öffentlichkeit und somit Unterstützung gefunden hat.

Sicherlich könnte ich an beiden Formaten auch noch was Vorschlagen bzw "verbessern" aber Keith Pelley hat mich leider nicht gefragt. Warten wir ab und vor allem, Interessieren wir uns für die neuen Formate. Denn wenn wir es nicht tun, dann bleibt es beim 72 Loch Einheitsbrei und nichts ändert sich.

Ach so, Keith Pelley und seine Organisatoren haben ein faible für Feuer und Pyrotechnik. Das finde ich dann doch selber ein wenig to much aber, ich will ja nicht rum mäkeln...

Dienstag, Januar 24 2017

DGV Statistik 2016

Der DGV hat ja am vergangenen Wochenende seine jährliche Golf Entwicklungsstatistik veröffentlicht und die mit Zahlen hinterlegt.

Wie so oft findet man auf den Einschlägigen Seiten fast den kompletten Wortlaut des DGV ohne Zwischenfragen oder eigenen Hintergrundinfos bzw Meinungen. Auf GolfPost.de gibt es dazu wenigstens noch ein Interview mit dem amtierenden DGV Präsident Klaus Kobold zu diesem Thema.

Für meinem dafürhalten ist es das erste mal, das ein DGV Präsident öffentlich zugibt, das es neben den Clubgebundenen Golfern in Deutschland noch mehr Golfer gibt. Von ca 4 Millionen Golfinteressierten, wurde ja früher schon mal gesprochen. Auf GolfPost.de spricht er von ca 100.000 Menschen, die im weitesten Sinne auch Golfer sind.

GolfPost_DGV_Interview_Golfer_in_Deutschland.png
GolfPost_DGV_Interview_Golfer_in_Deutschland, Jan. 2017

Quelle: http://www.golfpost.de/interview-claus-kobold-deutscher-golf-verband-jahres-pressekonferenz-2017-golf-mitten-ins-glueck-gemeinsam-golfen-2017-7777257054

Auf Golf.de sind die Zahlen noch konkreter ausgeführt, dort werden die Mitglieder mit 643.000 angegeben (die genaueren Zahlen könnt ihr euch in der oben verlinkten DGV PDF ansehen). Darin sind die 22.709 VcG (Vereinigung clubfreier Golfspieler) Mitglieder schon enthalten. Der DGV und die VcG hat nach den Ergebnissen einer selbst in Auftrag gegebenen Studie erfahren, das das Potential der Golfer in Deutschland wesentlich größer ist. Mit 954.000 Menschen, die keinem Club angehören, ist das die deutlich größer Gruppe im deutschen Golf.

Das würde im Umkehrschluss auch bedeuten, das hier eine kleine Gruppe den Zugang zu Golf in Deutschland reguliert, kontrolliert und einer Mehrheit vorschreiben will, wie Golf in Deutschland zu funktionieren hat.

Golf.de_Pressetext.png
Golf.de_Pressetext, Jan. 2017

Quelle: http://www.golf.de/publish/dgv-services/golfmarkt/statistiken/60111556/groesstes-wachstum-seit-vier-jahren

Ein weiterer Punkt der mir sauer aufstößt ist die DGV Zielgruppe. Im Jahr 2015/2016 gab es eine DGV-Werbekampagne, die mit „viel“ Geld, neue zahlende Mitglieder in die Golfclubs bringen sollte.

In § 2 der „Satzung des Deutschen Golf Verbandes e. V.“ ist der Zweck wie folgt beschrieben:

1. Der Verband fördert und regelt die Ausübung des Golfsports in der Bundesrepublik Deutschland.

Sicher kann man sagen, das da gefördert wird. Ob diese Art Förderung Nachhaltig ist, wenn man nur auf eine Zielgruppe von 55+ Jahren (SpieltGolf.de) setzt, wage ich zu bezweifeln.
Ähnliches berichtet der Alpengolfer auch in seinem letzten Blogbeitrag über den Umgang der auf der Messe vertretenden Clubs/Resorts mit dem jüngeren Publikum und dem allgemeinen Drumrum „Alter Wein in neuen Schläuchen" in Stuttgart und dabei kommen einem echt die Tränen. Positiv und sich aus der grauen Masse abhebend, wurde die www.0711golfcrew.de erwähnt und das möchte ich an dieser Stelle auch tun. (hier noch einige Gedanken des Soulgolfers dazu)

So bald man „Jung“ ist, scheint man nicht zur Nicht-Zielgruppe zu gehören und man könnte es überspitzt so formulieren: Alte Menschen machen „Golf-Politik“ für alte Menschen.

Im Bereich der 7 bis 14 jährigen, hat der DGV 24.316 Mitglieder, Tendenz seid 2010 fallend. (Quelle DGV Statistiken: http://www.golf.de/publish/dgv-services/golfmarkt/statistiken )
Das was getan werden muss, wird ja allerorten immer wieder bekräftigt aber man liest und hört recht wenig davon.
Mal davon abgesehen, das auch im letzten Jahr die Abgänge fast die Neuzugänge übertroffen haben, ist das nicht befriedigend für einem Verband, der sich als das alleinige Sprachrohr aller Golfer in Deutschland sieht.
Herr Kobold spricht im gleichen GolfPost Interview davon, das: „..., dann ist unser Markt schwierig und vielleicht sogar ausgetrocknet im Sinne größerer Zuwächse als bis jetzt.

GolfPost_DGV_Interview_Golfer_in_Deutschland_02.png
GolfPost_DGV_Interview_Golfer_in_Deutschland_02, Jan. 2017

Quelle: http://www.golfpost.de/interview-claus-kobold-deutscher-golf-verband-jahres-pressekonferenz-2017-golf-mitten-ins-glueck-gemeinsam-golfen-2017-7777257054

Kann es nicht vielmehr sein, das der DGV und die Clubs einen Markt beackern, den kein Kunde haben möchte? Weiter oben sprach Herr Kobold noch von 954.000 Menschen die Golf spielen aber den DGV und die Clubs nicht wollen oder deren jetzige Angebote. Also die weitaus größere Gruppe der Golf interessierten wird von dem aktuellen Verbands-/Clubgeschehen nicht angesprochen.

Ich höre jetzt schon wieder die Rufe, das man ja soooooo viele Öffentliche Anlagen in Deutschland hat, die man ohne Mitgliedschaft spielen kann. Nur, so viele sind das gar nicht. 393 „öffentliche“ Golfplätze führt die Statistik aus (bespielbar ohne Mitgliedschaft). Davon sind aber nur 123 davon bespielbar ohne Platzreife bespielbar. Das ist bedeutet, das nicht mal 1/3 der Anlagen die sich öffentlich nennt auch wirklich Öffentlich sind. Kommen wir dann noch zu der Anzahl der Löcher oder die Länge der Bahnen, dann wird es noch trauriger. Bei vielen kann man den Ball auch werfen, um an die Fahne zu kommen. So was verdient den Begriff Golfplatz einfach nicht.

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Statistik öffentliche_Golfplatze_2016, DGV, Jan. 2017

Wenn man sich die wenigen Kritischen Stimmen im Internet zum Thema Golf mal durchliest, könnte man zum Zustand Golf in Deutschland nur heulen. Gäbe es da nicht unzählige Aktionen kleiner Gruppen, die Golf in Deutschland anders sehen wie die Stuttgarter 0711-GOLFCREW oder die unzähligen Crossgolf Crews und vereine, die in meinen Augen mehr für das Image von Golf in Deutschland machen, als alle Verbände zusammen. 

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Mitglieder_und_Anlagen_Statistik, Jan. 2017

Es gibt nicht zu wenig Golfer in Deutschland, es gibt nur nicht die richtigen Angebote für Menschen die Golf spielen wollen und das ist ein selbstgemachtes Problem.


Nachtrag:

Heute bringt GolfPost.de selber noch eine eigene Analyse zu den DGV Zahlen des Golf Wachstums...